4. Oktober 2026

Die Computer der 90er – Windows, Amiga, Atari, Apple & Co.

Retro-Magazin · Technik

Wer in den 90ern einen Computer hatte, hatte oft nicht einfach nur einen Computer. Da stand ein ganzer Mikrokosmos im Zimmer: beiger Röhrenmonitor, Tastatur, Maus, Disketten, Spiele, CD-ROMs und irgendwo ein Stapel Zeitschriften. Und je nachdem, wen man fragte, war ganz klar: Amiga, Atari, Windows oder Apple – jeder hatte seinen Favoriten. Einen Überblick über die damalige Technik gibt es auch in unserer Technik der 80er & 90er.

Die 90er waren das Jahrzehnt, in dem der PC vom Spezialgerät zum Alltagsgegenstand wurde. Windows 3.1 machte grafische Oberflächen populär, Windows 95 veränderte die Bedienung nachhaltig und gleichzeitig kämpften Amiga, Atari, Apple, IBM und viele kleinere Systeme um ihre Nischen.

Windows 3.1 Bootscreen aus der frühen 90er-PC-Zeit.

Windows 3.1 – für viele der erste Kontakt mit einer grafischen PC-Oberfläche.

Windows 3.1 – bevor Windows 95 alles änderte

80-90.de Computer Special – Magazinmotiv zu Computern der 90er
80-90.de Computer Special – eigenes Magazinmotiv zur PC-Welt der 90er.

Windows 3.1 erschien 1992 und wurde für viele deutsche Haushalte zum Einstieg in die PC-Welt. Plötzlich gab es Programm-Manager, Dateimanager, Fenster, Icons und Menüs. Wer vorher hauptsächlich mit DOS-Befehlen gearbeitet hatte, erlebte eine völlig andere Art, einen Computer zu bedienen.

Und natürlich gehörte dazu auch das berühmte „C:\>“, bevor Windows überhaupt startete. Viele Programme wurden noch über DOS installiert, Spiele liefen direkt unter DOS und eine falsche AUTOEXEC.BAT oder CONFIG.SYS konnte den Abend ziemlich schnell beenden.

Der Amiga – für viele war das der eigentliche Heimcomputer

Commodore Amiga 500 mit originaler Tastatur und Maus.

Der Commodore Amiga 500 war für viele Jugendliche der 90er nicht einfach ein Computer, sondern die Spielemaschine im Kinderzimmer. Grafik, Sound und die typischen Amiga-Spiele sorgten dafür, dass der Rechner lange nach seinem Erscheinen Kultstatus hatte. C64 vs. Amiga zeigt den großen Computervergleich dieser Zeit.

Und wer später einen Amiga 1200 bekam, konnte noch einmal richtig aufrüsten.

Commodore Amiga 1200 – ein typischer Heimcomputer der frühen 90er.

Der Amiga 1200 kam 1992 auf den Markt und war einer der letzten großen Amiga-Heimcomputer.

Atari ST – der andere große Heimcomputer

Atari 1040ST mit Tastatur und Monitor.

Der Atari ST war der große Konkurrent des Amiga. Besonders der Atari 1040ST war bekannt und wurde nicht nur zum Spielen genutzt. Musikfans und Musiker schätzten die MIDI-Schnittstellen, während andere den Rechner als günstigen Allrounder verwendeten.

Auch der Atari 1040 STE gehört zu den Rechnern, die man sofort wiedererkennt: graues Gehäuse, Tastatur, Maus und der typische monochrome oder farbige Monitor.

Atari 1040 STE aus der ST-Familie.

Der 486er – plötzlich war Geschwindigkeit alles

Dann kam die typische PC-Aufrüstungsspirale: 386, 486, 486 DX2, 486 DX4 und schließlich der Pentium. Auf einmal wurde über Megahertz, Arbeitsspeicher und Festplattengröße gesprochen. Ein neuer Rechner war nicht einfach „neu“ – er war schneller als der vom Nachbarn.

Ein 486er mit CD-ROM-Laufwerk, Sound Blaster und VGA-Monitor fühlte sich Mitte der 90er bereits wie Hightech an. Spiele wurden größer, Windows wurde umfangreicher und Multimedia hielt Einzug in die Kinderzimmer.

Intel-Pentium-Logo aus der PC-Ära der 90er.

„Intel Inside“ wurde in den 90ern zum festen Bestandteil der PC-Welt. Der Pentium erschien 1993 und wurde zum Synonym für die nächste PC-Generation.

Windows 95 – der Computer wird plötzlich cool

1995 änderte sich die Stimmung. Windows 95 brachte das Startmenü, die Taskleiste, längere Dateinamen und Plug-and-Play stärker in den Alltag. Microsoft machte daraus ein riesiges Medienereignis. Für viele war Windows 95 der Moment, in dem der Computer endgültig vom Technikgerät zum normalen Bestandteil des Jugendzimmers wurde.

Welcher 90er-PC passt zu welchem Zweck?

Die Auswahl eines Retro-Computers hängt davon ab, ob du die originale Erfahrung suchst, alte Software nutzen möchtest oder vor allem Erinnerungen an Spiele auffrischen willst.

  • Für DOS-Spiele: Kompatibilität mit Soundkarte, Prozessor und Betriebssystem ist entscheidend; neuere Hardware kann Probleme mit Timing oder Treibern verursachen.
  • Für Windows-95-Erinnerungen: Achte auf passende Treiber, Anschlüsse und den Zustand der Festplatte. Alte Festplatten können ausfallen.
  • Für kreative Software und Demoszene: Amiga- und Atari-Systeme unterscheiden sich stark von klassischen DOS-PCs; prüfe benötigte Peripherie und Software vor dem Kauf.
  • Für einen sicheren Einstieg: Eine virtuelle Maschine oder ein moderner Retro-Computer kann praktischer sein als alte Hardware. Beachte die Lizenzbedingungen der verwendeten Software.

Vor dem Kauf eines Originalgeräts solltest du Netzteil, Lüfter, Speicherlaufwerke und mögliche Korrosion prüfen lassen. Ein optisch gutes Gehäuse ist kein Beleg für einen technisch sicheren Zustand.

Und dann war da dieser Startsound. Wer ihn einmal gehört hat, erkennt ihn wahrscheinlich noch heute.

Apple – anders, teurer und irgendwie besonders

Apple PowerBook 100 von 1991.

Apple blieb in den 90ern die Alternative zum klassischen DOS/Windows-PC. Macintosh-Rechner hatten ihre eigene Bedienlogik und waren besonders in kreativen Bereichen, bei Grafik und Desktop Publishing beliebt. Mit dem PowerBook wurde Apple außerdem im mobilen Bereich sichtbar.

Später kamen die Power-Macintosh-Modelle mit PowerPC-Prozessoren. Ende 1997 folgte der Power Macintosh G3 – ein wichtiger Schritt in Apples damaliger Entwicklung.

Apple PowerBook G3 aus dem Jahr 1997.

1998: Der iMac kommt – und sieht plötzlich ganz anders aus

Bondi-Blue iMac G3 mit Tastatur und Maus.

1998 tauchte der iMac G3 auf – transparentes Bondi Blue, abgerundetes Gehäuse und eine völlig andere Optik als die typischen beigen PCs. Das Ding sah aus, als wäre es aus einer Zukunftsserie gefallen. Dazu kamen USB-Anschlüsse und der Verzicht auf das klassische Diskettenlaufwerk.

IBM, ThinkPad und OS/2 – die Business-Welt

Neben den Heimcomputern gab es eine zweite Computerwelt: Büro, Banken und Unternehmen. IBM setzte unter anderem auf OS/2, während die ThinkPad-Notebooks zu einem Markenzeichen für mobile Business-PCs wurden. OS/2 Warp war in bestimmten Branchen durchaus verbreitet, konnte Windows aber nicht vom Massenmarkt verdrängen.

OS/2 Warp mit einer Anwendung aus der OS/2-Welt.

Und dann gab es noch die Exoten

BeOS Desktop – ein alternatives Betriebssystem der 90er.

Die 90er bestanden längst nicht nur aus Windows und Apple. Es gab BeOS, NeXTSTEP, verschiedene Unix-Systeme, Linux, RISC OS und weitere Plattformen. Linux startete 1991, BeOS tauchte ebenfalls Anfang der 90er auf und viele Systeme wirkten damals wie echte Alternativen zur großen Windows-Welt.

Was auf einem 90er-Schreibtisch einfach dazugehören musste

IBM PS/2 mit Röhrenmonitor und 3,5-Zoll-Diskettenlaufwerken – typische PC-Hardware der Ära.

Röhrenmonitor, beiger PC, Tastatur, Maus und Floppy-Laufwerk – genau diese Kombination prägte viele Schreibtische der 90er.

Und dann waren da die Dinge, die heute fast verschwunden sind: Röhrenmonitor, 3,5-Zoll-Disketten, Diskettenbox, Kugelmaus, Joystick, Soundkarte, CD-ROM-Laufwerk, Drucker, Scanner und später das Modem. Mehr über die Technik der 80er & 90er gibt es im Technik-Bereich.

Creative Sound Blaster 16 – typische PC-Soundkarte der 90er.

Sound Blaster 16: Für viele Spiele gehörte eine richtige Soundkarte einfach zum PC dazu.

Man hörte die Festplatte arbeiten, die Diskette klackerte und wenn das Modem eine Verbindung aufbaute, wusste jeder im Haus: Jetzt ist jemand online.

Computer mit Monitor, Tastatur, Maus, Joystick und Diskettenlaufwerken.

Monitor, Maus, Joystick und Diskettenlaufwerke – die Hardware war damals noch richtig greifbar und sichtbar.

Amiga oder Atari? Windows oder Apple?

Das Schöne an der Computerwelt der 90er war ihre Vielfalt. Man konnte sich stundenlang darüber streiten, welcher Rechner besser war. Amiga gegen Atari, PC gegen Mac, Windows gegen OS/2 – und jeder hatte Argumente. Wer noch tiefer in die 80er-Computerwelt eintauchen möchte, findet hier den C64-vs.-Amiga-Vergleich.

Doch am Ende ging die Entwicklung ziemlich eindeutig in Richtung IBM-PC-kompatibler Rechner und Windows. Microsoft holte Anfang der 90er gegenüber den grafischen Oberflächen der Konkurrenz stark auf, während viele alternative Plattformen an Bedeutung verloren.

Fazit: Die Computer der 90er waren noch echte Charaktere

💾 Passend zum Thema: C64 vs. Amiga · Das Internet der 90er · Jugendzimmer der 90er

Heute sehen viele Geräte ähnlich aus. Damals erkannte man einen Amiga, Atari, Macintosh oder PC schon aus einigen Metern Entfernung. Beige Gehäuse, Röhrenmonitore, große Tastaturen und jede Menge Kabel gehörten einfach dazu.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Rechner so starke Erinnerungen auslösen: Sie sahen nicht nur anders aus – sie fühlten sich auch anders an. Und wer damals vor einem Amiga 500, Atari ST, 486er oder Macintosh saß, erinnert sich oft sofort an sein eigenes Zimmer, seine Spiele und die ersten Stunden am Computer.

Bildnachweise: Wikimedia Commons sowie die jeweils angegebenen Originalquellen. Bei den verwendeten Dateien wurden die auf den jeweiligen Originalseiten angegebenen Lizenzbedingungen berücksichtigt.

← Zur Startseite